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Ich - Lunge


Zweimal in drei Jahren hat mich ein spontaner Lungenriß (Pneumothorax) getroffen.

Das ist eine sehr unangenehme Geschichte, die lebensbedrohlich ist und zu einem Krankenhausaufenthalt führt. Verwandte, Freunde und Bekannte waren sehr beunruhigt. Ich bin immer wieder befragt worden, was so ein Lungenriß eigentlich ist und was da passiert. Daher diese Seite.

Was ist ein spontaner Lungenriß?

Wie die Bezeichnung vermuten läßt, reißt etwas in der Lunge. Und zwar Lungenbläschen. Das führt dazu, daß Luft aus der Lunge in den Brustkorb eindringen kann. Das wiederum hat zur Folge, daß der betroffene Lungenflügel sich vom Brustkorb löst und zusammenfällt. Damit steht dieser Lungenflügel nicht mehr für die Atmung zur Verfügung. Die eingedrungene Luft kann auf den Herzbeutel drücken (Spannungspneumothorax) und so lebensbedrohlich werden.

Warum passiert sowas?

Tja. Hmm. Veranlagung sagen die Ärzte. Besonders schlanke, große Männer sind betroffen. Normalerweise bekommen sie ihren Lungenriß im Alter zwischen 20 und 35. Normalerweise beim Sport oder starker Anstrengung. Ursache ist vermutlich eine Bindegewebsschwäche.
Bei mir trat der Lungenriß einmal im Büro und einmal im Schlaf auf. Die Anstrengung muß also nicht groß sein. :-)

Symptome

Nicht der Rede wert. Sehr dezenter Brustschmerz. Als mich der zweite Lungenriß im Schlaf ereilte, wachte ich zwar auf, drehte mich dann aber um und schlief weiter. Ansonsten etwas Luftknappheit, die man eigentlich nur beim Sprechen bemerkt. Ich bekam die Sätze nicht zuende, die ich sonst problemlos ohne Luft zu holen sprechen konnte. Ansonsten bei Anstrengung Seitenstechen und eventuell (später) Kreislaufprobleme.

Diagnose

Die ist sehr einfach. Das kann jeder Arzt sehr schnell und sicher durch Abhorchen und Abklopfen. Insofern ist es nicht besonders exotisch. Sobald der Verdacht auf Pneumothorax besteht, geht nichts mehr (wegen der Lebensbedrohung). D.h. man darf sich nicht mehr bewegen und wird mit dem Rettungswagen in das nächst gelegene Krankenhaus gefahren. Dort wird die Lunge geröntgt. Bei meinem zweiten Fall jetzt war das Röntgenbild so gut, daß ich selbst sofort die Diagnose stellen konnte.

Behandlung

Es gibt zwei Möglichkeiten der Behandlung.

Konservativ

Konservative Behandlung bedeutet, daß man versucht, die Lunge sich selbst heilen zu lassen. Der Riß wächst zu. Das wird unterstützt durch eine sog. Saugdrainage, d.h. ein Schlauch wird durch die Haut in den Brustkorb eingeführt und an eine Saugpumpe angeschlossen, die dann die Luft und Sekret aus dem Brustraum absaugt. Sowas hat man dann etwa zwei Wochen an sich dran. Der Schlauch ist in der Haut festgenäht. Sehr unappetitlich aber erstaunlich wenig schmerzhaft. Die Einschränkung der Freiheit durch das Festgebundensein an die Pumpe habe ich als unangenehmstes Detail dieser Behandlung in Erinnerung. Mein erster Lungenriß wurde so behandelt.

Invasiv (durch Eingriff)

Dabei wird (minimalinvasiv) die Lunge operiert. Es werden die Lungenteile mit Hilfe eines Klammernahtgerätes (Tacker) entfernt, die die gerissenen Blasen enthalten (Bullektomie). Außerdem wird eine sog. Pleurodese ausgeführt, d.h. die Lungenhaut (Pleura) wird so gereizt, daß eine Entzündung entsteht und in der Folge die Lungenhaut mit dem Rippenfell (Innenseite des Brustkorbes) verklebt, womit eine erneuter Lungenflügelkollaps verhindert werden soll. Anschließend wird eine Saugdrainage gelegt, die dann allerdings nur ca. eine Woche drin bleibt.
Die Pleurodese kann auf unterschiedlichen Wegen vorgenommen werden:

  • durch Pudern der Lungenhaut
  • durch mechanische Reizung
  • durch Behandeln mit heißem Argongas (Argonbeamerpleurodese)

Letzteres ist bei mir veranstaltet worden.

Die in der Folge der Pleurodese entstehende Entzündung ist außerordentlich schmerzhaft, wie ich leidvoll erfahren durfte.

Das Klinikum Winterthur hat die Behandlungsmethoden medizinisch "ordentlich" beschrieben.


Tom Bihr - Seite zuletzt geändert am 04.03.2001